Das Projekt Spielfeldschnitte

Die Spielfeldschnitte aus dem Hause Kamps ist erfrischend in der Eröffnung, sahnig im Abgang, weicher als Beckmanns Spielanalyse und eine echte Alternative zu Salzgebäck und Bier in Plastikbechern bei Live-Fußballspielen!
Das Projekt Spielfeldschnitte versteht sich als kreative und humorvolle Begleiterin der deutschen Frauennationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2011 und als längst fälligen Beitrag zu einer deutschen Frauenfußball-Kultur.
Das Projekt Spielfeldschnitte bietet nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, liefert Portraits der neuen und alten Nationalspielerinnen, sondern möchte sich des Komplexes Frauenfußball auch aus kulturwissenschaftlichen Perspektiven zuwenden und rundet das Ganze mit dem ehrgeizigen Ziel ab, die Welt zu verändern!
„My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)


Montag, 4. Januar 2010

Ecke des Monats: Zitat aus dem Kicker


"Sometimes ideas, like men, jump up and say `hello´." (The Log Lady, Twin Peaks)

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Logo-Vorschlag #4

Der Wettbewerb für ein alternatives Logo zur WM 2011 ist morgen beendet.
Am 28. April haben wir unser erstes alternatives Logo veröffentlicht, in der Hoffnung einer offensiven Auseinandersetzung mit dem offiziellen Motto "20Elf von seiner schönsten Seite", das uns ein Dorn im Auge ist. Im Anfang stand die Idee, unsere Vorschläge durch die Kommentare unserer LeserInnen stetig weiter zu entwickeln. Wir haben drei Logos entwickelt und uns mit unserer fleißigsten Kommentatorin djane darüber verständigt. Keines der Logos konnte unseren Ansprüchen genügen: irgendwas war immer zu sehr, zu beliebig, zu dekorativ, zu verkopft, zu klischeesiert und insgesamt leider auch zu wenig. Der Dialog, den wir uns gewünscht hatten, ist eingetreten. Aber die Krise, die wir ersehnt hatten, durch eine Vielzahl entrüsteter, einsatzbereiter Stimmen, ist ausgeblieben. Im Anfang dachten wir, unsere Kreativität würde sich durch einen solchen Konflikt entzünden. Nun haben wir kurz vor zwölf noch ein kleines Flämmchen entfacht – am Scheitern einer Idee.
Der Contest um das inoffizielle Logo der WM empfielt, selbiges möge ohne Schrift auskommen. Wir kamen von diesem Aspekt eines Logos aber nicht ab: wir möchten verzichten auf geschlechtlich konnotierte Figuren, Fußbälle oder Pokale. Viel mehr reizt uns, Schrift selbst als mediale Form, bildlich-visuell zu begreifen, als Schrift-Bild. Walter Benjamin beschreibt Handschrift als ausdrucksvolle Spur der Körpergeste. Aber nicht als ein konkretes, ontologisch ausdeutbares Körperzeichen, sondern vielmehr als etwas schlussendlich Unübersetzbares. Die Spur der Körpergeste in der Handschrift ist kein decodierbarer Text, „sondern das Bild, das wir schreibend in unsere Handschrift wickeln“. Die Handschrift unterläuft den Repräsentationscharakter von Schrift – obgleich sie ihren symbolischen Gehalt nicht verlieren, liefert sie immer schon ein mehr wie ein weniger mit. Gestische Texte sind solche, die den inszenatorischen Charakter ihrer Sinnangebote offenlegen. So kleiden wir unseren kritischen Alternativvorschlag in ein schriftbildliches Kostüm mehrer Schichten. Dies also unsere letzte Geste 2009. Morgen ist 2010 und damit fast schon 2011!

Montag, 28. Dezember 2009

My b/log has something to tell you about... music!

Liebe Freundinnen und Freunde des gepflegten Musikgeschmacks, wie oft schmerzten euch schon die empfindsamen Hörorgane im Fußballstadion? Fühlt man sich doch nicht selten wie auf einer jener Gays&Friends Partys, auf denen Gloria Gaynors „I will survive“ nur kurzweilig von Rosenstolz, Melissa Etheridge und Village People unterbrochen wird... Nicht besser verhält es sich mit der Musikproduktion zum Thema Fußball – und der Frauenfußball siecht in den seichtesten Gewässern dieser Landschaft vor sich hin (siehe hier, sowie hier).

Pünktlich zu spät zu Weihnachten möchte das Projekt Spielfeldschnitte auf die tonalen Missstände reagieren und präsentiert das erste Frauenfußballbegleitalbum. Im Stile eines Soundtracks versammelt es eine Auswahl würdiger zu gröle
nder, zu singender und zu flötender Songs. So gerne wir dieses Schmuckstück auch „Ein Kick und die Pille ist drin“ genannt hätten (im Stile der Frauenfußballbegleitmusikhistorie) so möchten wir die Gelegenheit doch lieber nutzen, um pünktlich zu spät auf die Ehrung der deutschen Fußballfrauen als „Team des Jahres 2009“ zu reagieren. Der eigentliche Preis firmiert natürlich eigentlich unter anderem Titel. Auf den Spuren von Gratulant Horst Köhler wandelnd („Da geht es nicht ums große Geld!“) möchten wir dem besten Team der Welt nicht mit einem Kaffee Service, sondern mit unserem „Musik Service“ gratulieren, zum Kaffee mit Freundinnen und Schnitte sozusagen. Doch wie es sich eben dort verhält, wo es nicht ums große Geld geht, ist diese CD leider mehr Schein als Sein. Für alle, die zukünftig Daheim oder im Stadion mitsingen können möchten heißt es, diese Playlist eigenständig zu befüllen. Zum ausdrucken gibt es immerhin das exklusive Spielfeldschnitten CD-Cover. Einfach die Bilder runterladen, ausdrucken, ausschneiden, fertig. Und dann auf ins Stadion!



















Hip Hip Hurra
// Die Ärzte //
Von der offiziellen Pokalhymne 2010 kann man sich nichts kaufen, schon gar keine gute Stimmung. Dabei ist alles an dem Finale 2010 gut: Endlich nicht mehr leere Ränge im Regen, 99 % der zahlenden Fans kommen nicht erst zum Abpfiff, der Jubel der Spielerinnen beim Tor ist diesmal leiser als der der mitgereisten UnterstützerInnen. Jetzt also endlich ein eigenständiges Finale. Hier unsere hedonistische Pokalhymne!

Hot Summer
// Monrose //
Vorschlag für einen WM Hit aus der Popkonserve. Wir sagen: wennschon, dennschon! Monrose ist so ziemlich das schlimmste, was dem deutschen Pop seit den No Angels passiert ist. Schlimmer kann es fast nicht mehr werden. Doch bringt es die Sache auf den Punkt. Lustvolle Subversion durch Affirmation!

Big Girl (you are beautiful)
// Mika //
Unsere Antwort auf die schönste Seite von 20Elf.

They don’t really care about us
// Michael Jackson //
Schon Michael Jackson hat das Problem erkannt: „Am I invisible because you ignore me?“ Großartiger Song, um den Missständen im Frauenfußball königlich entgegenzutreten.

Du schreibst Geschichte
// Madsen //
Für Birgit Prinz im speziellen. Für viele fußballspielende Frauen im weiteren. „Doch du lebst länger als ein Leben lang // du bist das womit alles begann. // Denn du schreibst Geschichte, // mit jedem Schritt, // mit jedem Wort setzt du Sie fort. // Du schreibst Geschichte, // an jedem Tag, // denn jetzt und hier bist du ein Teil von ihr.“

Wir werden siegen
// Peter Licht //
Wunderschön unaufgeregte Zukunftsvision. Unsere Alternative für die stets unangenehm anmutenden „Sieg“-Rufe, die so oft durch die deutschen Stadien hallen. „Dann werden wir eben siegen... Sie... sie... sie... siegen“

Limit
// Deichkind //
Dass unsere Nationalspielerinnen turbomäßig ungeschlagen sind, wissen wir spätestens seit der WM 2007. Dazu ein Lied mit Sprunggarantie und der Boden vibriert. Training fürs Stadion. „P-O-W zum E zum R nach vorne bis zum Gehtnichtmehr.“

Money, Money, Money
// Abba //
Was gut war, kann nur noch besser werden. Und was lange währt, wird endlich gut. Für Gehälter, die eine Professionalisierung des Frauenfußballs auch über die Nationalmannschaft hinaus erlauben. Für Nachwuchsförderung und Eigenständigkeit. Für bessere Medienarbeit und Ernsthaftigkeit. Und mehr Humor.

Boys wanna be her
// Peaches //
DAS Vorbild-Lied. Zu singen für jede Spielerin, die man gut findet.

Gatekeeper // Feist // Torhüter und Torhüterinnen haben für die großen Turniere der deutschen FußballerInnen irgendeine besondere Bedeutung. Für Nadze. Für Nadzefans. Und für die besondere Gattung der TorhüterInnen.

Fuck you
// Lily Allen //
Für alle lesbischen Fußballerinnen, die sich noch nicht geoutet haben. Für die erste Fußballerin, die sich outen wird. Gegen Homophobie in allen Stadien.

Special Track: Girls, Girls, Girls // Sailor //
Mit Augenzwinkern...



Freitag, 18. Dezember 2009

Platzverweis: nach dem Spiegel ist vor dem Platzverweis

2010 wird das DFB-Pokal Finale der Frauen zum erstenmal losgelöst vom Männerfinale zwar nicht an unterschiedlichen Tagen, wenigstens jedoch an unterschiedlichen Orten stattfinden. Im neuen Spielort Köln werden dann das Stadion füllende Fans erwartet, die ausschließlich für die beiden Frauenfußball-Teams und Frauenfußball im Allgemeinen anreisen. Zuvor mussten die Finalistinnen in Berlin vor einsamen Rängen als Vorspeise des Männerfinales am Abend auflaufen. Auch wenn man sich sicherlich erstmal an die "Köln, Köln, wir fahren nach Köln" Rhythmik gewöhnen muss, ist die Ortsverlegung höchstwahrscheinlich eine große Verbesserung.

Wenn nicht eine Verschlechterung, so dann doch eine schlechte Wahl ist dagegen die offizielle Pokalhymne für das Frauenfinale. Anstatt profilbildend ein neues Lied komponieren zu lassen, wohl aus Angst vor zu geringem Wiedererkennungswert und damit Marketingschwierigkeiten, nimmt man einfach, was einem so über den Weg läuft. In diesem Fall kamen wohl grad die Höhner bei der Stadionbesichtung vorbei und erklärten sich gerne bereit ihr "Viva Colonia" als Hymne zur Verfügung zu stellen. Absolut unverständlich, zumal das Lied thematisch höchstens mit dem Austragungsort zu tun hat, ansonsten leider fast ausschließlich mit Karneval, exzessivem Alkoholkonsum und gröhlendem Pöbel konnotiert ist. "Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust, wir glauben an den lieben Gott und ham noch immer Durst" wie der Refrain des Liedes vermittelt, klingt im Zuge der familienfreundlichen Marketingstrategie des DFB wie ein Schuss ins Bein. Bloßer Hohn?

Dass die Entscheidung für diesen Partykracher als Pokalhymne die schlechteste musikalische Erfindung seit "Frauenfußball, schalalalala!" ist, vermindert nicht das Entsetzen über den Playback-Auftritt der Höhner zusammen mit der Moderatorin Shary Reeves, sowie den neuen Text, den die ehemals beim SC 07 Bad Neuenahr kickende Reeves eigens dafür verfasste. Hier die ersten Strophe:
Sieh auf Gottes grüner Wiese, da spielt ausgerechnet "diese",
eine Frau Augen auf taktisch kluger Spielaufbau.
Filigranes schnelles Dribbling technisch weiblich ligareif,
kurvenreiche Siegertypen zweikampfstark im Trikotkleid.
Heute tanzt sie mit dem Ball, morgen tanzt sie auf ´nem Ball,
nach dem Spiel ist vor dem Spiegel, Multitasking verleiht Flügel.
Mit dem zweiten schießt man besser, mittendrin statt nur dabei
der Gegner heute ist der "schwerste", Fußballkunst in Köln am Rhein.

Abgesehen von den schlechten Reimen und der Schleichwerbung für ZDF und DSF ist der Text inhaltlich eine Zumutung für... jeden, jede und jedes! Hier auf die Attribute der Geschlechterklischees zurückzugreifen, trotzdem auf "Gendering" zu verzichten und das alles auch noch unter den schützenden Händen des Schöpfers von Adam und Eva zu tun... Es wäre keine Überraschung gewesen hätte Steffi Jones bei der Gelegenheit das Nationalmannschafts-Tütü vorgestellt, Doris Fitschen den Nationalmannschafts-Spiegel und Theo Zwanziger den DFB-Familien-Schnaps... Am heutigen Abend entschließen wir uns ob dieser Plattheiten für das wortlose Kopfschütteln anstelle eines tiefschürfenderen Kommentars. Man muss sich aber wirklich fragen, ob diese Geschichte einer neuen Gleichberechtigungsstrategie des DFB zu danken ist: Dass nämlich nicht mehr nur der Männerfußball in Zukunft als Sportart für Menschen mit höchstens 2 Gehirnzellen angesehen wird. Wir jedenfalls beschließen soeben mit einem tiefen Schluck von Theos bestem Tröpfchen, dass wir erst pünktlich zum Anpfiff den Fernseher einschalten werden.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

My b/log has something to tell you about... Zwei sind besser als Eins!

Endlich ist es soweit: morgen sind die vier Monate rum und die neue Ausgabe der 11 Freundinnen erscheint! Wieder ist das Magazin gespickt von Lesefreuden. Den Titel ziert Simone Laudehr, im Heft gibt es ein tolles Interview mit ihr. Zentral steht aber auch der Versuch die Kraft hinter der rasante Entwicklung des Frauenfußballs nach der WM 2011 nicht verpuffen zu lassen: so werden 11 Thesen von unterschiedlichen Protagonist/innen des Frauenfußballs formuliert, wie man die Entwicklung mit und Abseits der WM-Euphorie produktiv vorantreiben muss. Dazu gibt es spannendes aus dem In- und Ausland, z.B. Berichte über die Entwicklung des Frauenfußballs in Chile und Schweden, mal wieder tolles Layout und Fotos, z.B. das tolle Bild der doppelten Annike, und das Gefühl von einer reichhaltigen Frauenfußball-Kultur-Welt. Fantastisch, wenn auch nicht vorrangig, ist übrigens auch die kluge Anzeigenauswahl, durch die sich der Frauenfußball-Fan absolut als solcher wahr und ernst genommen fühlt. Die zweite Ausgabe beweist: das Konzept und das Format stimmen, am liebsten möchte man jetzt auch schon für die Eigenständigkeit am Kiosk plädieren. Und mehr möchte man generell auch, trotz der zusätzlichen 16 Seiten ist die Ausgabe doch immer viel zu schnell gelesen.
11 Freundinnen #2: ab dem 17.12.09 am Kiosk.

Sonntag, 6. Dezember 2009

My b/log has something to tell you about... Asiatischer Fußballverband von Hannelore Ratzeburg gekauft?

Wenn die Nationalmannschaft ruht, muss sich das Projekt Spielfeldschnitte nach anderen Themen umschauen. Ach wäre doch jedes Wochenende Länderspiel! Dann würde das ständige Disponieren dem DFB auch nicht soviel Sorge bereiten. Die Bundesliga könnte zum Beispiel einfach in der Sommerpause stattfinden. Doch da ja niemand mal uns nach unserer Meinung fragt, gibt es an dieser Stelle leider keinen ausführlichen Bericht über Silvia Neids neusten Tricks um Conny Pohlers nicht zu nominieren, sondern ein kürzerer Ausflug in die Welt der Fußball-Skandale.

Es gibt nämlich einen neuen, und dieser neue Skandal erschüttert die Frauenfußball-Welt stärker als jeder von außen kommende Chauvinismus im beckenbauerschen Schottenrock- denn er kommt von Innen! Auslöser ist ausgerechnet Deutschlands WM-Hoffnung und re-inkarnation von einer Mischung aus Rosa Luxemburg und Elly Beinhorn des Frauenfußball: Kim Kulig! Anstatt sich brav auf ihre Rolle als Weltretterin und Star der WM 2011 vorzubereiten lässt Kim Kulig die ewige Diskussion um ihren potentiellen Wechsel nach Frankfurt erneut aufflammen. Besser gesagt: irgendwer, der irgendwo, irgendwie Kim Kuligs Internetpräsenz betreut, hat sich wohl in der Programmierung vertan. Anstatt die geplante Bilderstrecke von Kuligs gemeinnützigem Aufbautraining zur Förderung unterrepräsentierter Sportgroßveranstaltungen anzuzeigen, hat der Webmaster versehentlich direkt auf den Webauftritt des 1. FFC Frankfurt verwiesen. Transfer über die Glasfaserleitung? War es ein Versehen oder Absicht? Vielleicht war der Webmaster seiner Zeit auch einfach schon voraus. Oder er so unterbezahlt, dass er gleich die Januar-News eingepflegen musste um dem Aktualitätszwang gerecht zu bleiben.

Warum es auch immer geschah, Frauenfußballdeutschland ist in Aufwallung. Gleichzeitig überschlagen sich die Ereignisse. Nach strenggeheimen Informationen wird zur Zeit überprüft, ob Hannelore Ratzeburg den Asiatischen Fußball Verband zur Nichtdurchführung der Wahl zu Sportlerin des Jahres in Asien bestach, um evtl. Lira Bajramaj noch Chancen auf den Titel zu sichern. Gespräche mit Hu Jintao über eine mögliche Einasiatierung des Kosovos laufen bereits, wie ein anonymer Fußball-Funktionär aus Süd-Schwaben durchsickern ließ. Dass die Spielerinnen des HSV nach ihrem Sieg über Bayern München am letzten Spieltag Werder Bremen und St. Pauli beschimpften, sich dabei sternenförmig im Mittelkreis wälzten und Voodoo-Gesänge anstimmten, deutet mit großer Wahrscheinlichkeit auf Bestechung und Manipulation hin. Die nächsten Wettskandale stehen in Aussicht.

Wir bieten bei der Gelegenheit jedem, der uns zu dem unter der Kuligschen Oberfläche brodelnden Wettskandal im Frauenfußball Informationen zukommen lässt, eine exklusive "Kim Kulig rettet die Welt"-Autogrammkarte, signiert vom kompletten SIDI Sportmanagement Vorstand. Das, meine Damen und Herren, ist endgültiger investigativer Journalismus!

Samstag, 28. November 2009

My b/log has something to tell you about... Rahmenterminkalender 2010/11

Der DFB hat zugunsten der WM 2011 und zur ausreichenden Vorbereitungszeit für die Nationalmannschaft das Ende der Bundesliga Saison 2010/2011 für den März 2011 geplant und dafür die Winterpause verkürzt, sowie den Hallenpokal gestrichen. So sind optimale Bedingungen geschaffen worden, damit sich die 23 Frau starke Crème de la Crème des deutschen Frauenfußballs mit Sorgfalt und Ruhe auf die WM im eigenen Land vorbereiten kann, das "tolle Ereignis von herausragender Bedeutung" wie Silvia Neid es inhaltsvoller nicht hätte formulieren können. Noch dazu haben die dann arbeitslosen 253 Bundesligaspielerinnen Zeit als WM-Botschafterinnen nach Butzbach und Buxtehude zu reisen und eine Menge Transparente für die Stadionatmopshäre zu malen. Eine absolut integrationspreisverdächtige Terminplanung. Trotzdem finden wir es ginge noch besser. Damit unsere Mädels sich von ihrer schönsten Seite präsentieren können, bedarf es noch mehr Vorbereitungszeit. Also sollte man doch bitte die Bundesliga in zwei Wochen abfrühstücken können. Oder in 11 Tagen, wie heißt es doch so schön: 20elf für einen, 11 für alle. Wie´s geht zeigen wir in dem nachfolgenden Rahmenterminkalender, druckfrisch zum mitschreiben:

Die Frauenfußball-Bundesliga 2010/2011 in 11 Tagen - Aktion "Alles für 2011":


Montag: 1.-3. Spieltag (jeweils 10h/14h/18h), 1. Runde DFB-Pokal (21h), danach: evtl. Anfahrt für nächsten Spieltag

Dienstag: 4.-6. Spieltag (jeweils 10h/14h/18h), 2. Runde DFB-Pokal (21h), danach: evtl. Anfahrt für nächsten Spieltag

Mittwoch: 7.-9. Spieltag (jeweils 10h/14h/18h), 1/16-Finale Champions League Hinspiel (21h, falls längerer Anfahrtsweg 22h), danach Rückreise (am besten Kostensparend mit Gegner wg. Rückspiel am nächsten Tag)

Donnerstag: 10.-12. Spieltag (jeweils 10h/14h/18h), 1/16-Finale Champions League Rückspiel (21h, 22h falls Auswärtsspiel), danach Rückreise bzw. Anreise für nächsten Spieltag

Freitag: 3. Runde DFB-Pokal (11h), Achtefinale Champions League Hin- und Rückspiel (16h und 21h), danach evtl. Anfahrt für nächsten Spieltag

Samstag: 13.-15. Spieltag (jeweils 10h/14h/18h), evtl. Nachholspieltag (21h)

Sonntag: 16.-17.Spieltag, evtl. Nachholspieltag (jeweils 10h/14h/18h), DFB-Pokal Viertelfinale (21h)

Montag: Winterpause (evtl. Sichtungslehrgänge U15/U17/U21 + Leistungstest Nationalmannschaft)

Dienstag: 18.-20. Spieltag (jeweils 10h/14h/18h), DFB-Pokal Halbfinale (21h), danach: evtl. Anreise für nächsten Spieltag

Mittwoch: 21.-22. Spieltag (jeweils 10h/14h), Ehrung Deutscher Meister (16.15-16.30h), Champions League Viertelfinale Hin- und Rückspiel (je nach Anreise: 18h+21h oder 19h+22h)

Donnerstag: Champions League Halbfinale Hin- und Rückspiel (10h/16h), Champions League Finale (21h)

P.S. Die 11 Tage können praktischerweise auch in der Halle des Hallenpokals zur Zeit des Hallenpokals stattfinden. So haben alle was davon.

Samstag, 7. November 2009

Die Ecke des Monats: Erstes Gastspiel


Zum ersten Mal präsentiert das Projekt Spielfeldschnitte einen Gastauftritt, sozusagen ein auswärtig gelegenes Heimspiel oder ein heimliches Auswärtsspiel. Jedenfalls finden wir, dass diese adoptierte Ecke des Monats von Weisheiten strotzt, frei nach dem Motto: nur eine perfekte Schnitte ist eine echte Schnitte. Oder auch: nur ein echter Schnitt ist eine perfekte Schnitte. Wie dem auch sei, Dank an Distributor Axel, der ganz in der Tradition und Philosophie von axelmedia bereits großflächig bei der Entstehung von Schnittini involviert war - dafür riesiger Dank!

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Coaching Zone: Deutschland - USA

Da gehen sie, Birgit Prinz, da Nadine Angerer, hinein ins Stadion von Augsburg mit 30.000 BesucherInnen. Und gerade noch vor 1 Woche, erinnert ihr euch, da standen wir noch nebeneinander auf dem Rasen des Sportplatzes des HSV beim Spiel gegen den FFC Frankfurt, wo sich nach dem Spiel Spielerinnen und Zuschauer (ca. 300 waren da) vereinten. Ist das nicht verrückt? Das man soeben noch in der Bundesliga ein Spiel quasi auf dem Schoß von Ariane Hingst auf der Ersatzbank verfolgen konnte und jetzt dieses gigantische Ereignis im Fernsehen verfolgt, das uns einen Eindruck von dem geben soll, was 2011 zu erwarten ist?

Bei jenem für mich bemerkenswerten Spiel HSV gegen den FFC Frankfurt letzte Woche geschah folgendes: In einer kurzen Spielunterbrechung stand auf einmal der neue Coach des FFC mindestens drei Meter weit auf dem Platz. Da hatte er doch wirklich einfach seine Coaching Zone verlassen und plauderte mit Birgit Prinz. Irgendwann kam dann mal die Linienrichterin vorbei, die ihn bat, doch wieder etwas zurück zu treten. Vielleicht steht dieses Erlebnis heute Pate für meine Idee, mich vielmehr in meine Coaching Zone zurück zu ziehen. 90 Minuten. Mit Nachspielzeit. (Ich gebe zu, die Idee ist vor allem der Tatsache geschuldet, das gerade die Zeit für Artikel extrem begrenzt ist.)

Wie präsentieren sich die deutschen Frauen? Ich würde sagen lustvoll. Mia Hamm hat gesagt, sie sind „heiß“ auf das Spiel. Und das stimmt. Voller Motivation, selbstbewusst, mit dem Bedürfnis, sich zu zeigen, etwas zu reißen. Die freuen sich richtig, sind vielleicht auch dankbar. Und das vor allem mit der desaströsen Statistik im Rücken. Und 30.000 Fans. Gute Bedingungen, will ich meine.

Schauen wir uns also die Aufstellung an. Da fehlt mir vor allem Melanie Behringer, leider immer noch verletzt. Doch Lira Bajramaj, die Ballverliebte Technikerin - vielleicht tut ihr diese Verantwortung gut. Und ich bemerke Linda Bresonik in der Viererkette. Hingst noch verletzt, dafür Bartusiak. Die ersten 15 Minuten zeigen eine beeindruckende Gruppendynamik der deutschen Frauen. Gute Raumaufteilung, die den Amerikanerinnen wenig Möglichkeiten lässt, schön heraus gespielte Angriffe. Sicherlich Ergebnis von Silvia Neids Entscheidung, das Team der Europameisterinnen nicht zu verändern. Und ich habe es vermutet und es löst sich ein, Bajramaj viel besser und weniger egoistisch, als ich sie bisher erlebt habe. Super Impulse nach vorne.

(Kim Kulig, teilt Bernd Schmelzer gerade mit, soll das Gesicht der WM werden. Ich bemitleide sie ja schon immer, wenn sie bei Bundesligaspielen vom HSV vom Stadionsprecher mit dem Zusatz „unsere“ Europameisterin angekündigt wird...)

Besonders gut gefällt mir die Ausgeglichenheit der beiden deutschen Flanken. Viel geht über die Außen, aber alle greifen gut ineinandern. Schnelles Umschalten lässt den Amerikanerinnen scheinbar oft nur die Alternative grober Fouls. Nach vorne konnten sie bisher überhaupt keine Impulse setzen.

(Das Stadion in Augsburg ist das erste Mal überhaupt in seiner Geschichte ausverkauft.)

Und jetzt passiert doch wirklich, was nicht passieren darf: Krasser Fehler, krasse Fehler und dann das Gegentor. Bartusiaks Querschläger und Angerers Fehleinschätzung der Lage führt zum uneleganten Führungstreffer für die Amerikanerinnen. Jetzt wird sich zeigen, ob dieser Schlag das Spiel bestimmen wird. (Gehört nicht das retardierende Moment zur Tragödie dazu?)

Die Partie ist nicht besser geworden, eher schlechter. 0 : 1, das ist eigentlich nicht zu fassen, weil zu wenig für die Deutschen. Gott sei Dank ist jetzt Halbzeit.

(Und jetzt geht’s wirklich los: Karten für 2011, das „Frauenmärchen“, wie Steffi Jones es inhaltlich richtig, aber begrifflich etwas daneben nennt. In 21 Monaten ist es schon soweit.)

Zweite Hälfte beginnt genauso wie die erste. Wobei: der erste „normale“ Torschuss der Amerikanerinnen, das ist doch in der 47. Minute erwähnenswert.

Es scheint eine unsichtbare Wand im Strafraum der US-Spielerinnen zu existieren, die Deutschen spielen hochklassigen und schnellen Fußball bis an die Strafraumgrenze und verstolpern dann die Bälle, als hätte man ihnen auf den letzten Metern die Schnürsenkel zusammengeknotet. Alles geht nur in einer Richtung. Insbesondere Bajramaj steht immer wieder mit ihren Sprints auf der rechten Seite im Mittelpunkt der Bildregie, sie läuft so schnell, dass ihre zusammengebundenen Locken waagerecht in der Luft stehen.
Man sollte übrigens nicht vergessen, dass die schlechte Chancenverwertung durch Bernd Schmelzers übermäßige Betonung von Stimmung und Zuschauerzahlen im Stadion etwas unter den Tisch gekehrt wird. Ein amtierender Welt- und Europameister muss da effektiver sein!

Völlig unverständlich: Bajramaj rauszunehmen. Das Spiel ist neben einem Testspiel auch Werbung für den Frauenfußball. Und Bajramaj nicht nur die beste Spielerin auf dem Platz, sondern dadurch, dass sie den ansehnlichsten Fußball präsentiert auch Publikumsliebling. Doofe Entscheidung von Silvia Neid.

Motto des Spiels: Gut gedacht, schlecht gemacht.

In der Endphase verkommt das Spiel leider zu einem unattraktiven Kick, unmotiviert und mit unverständlichen Szenen: wie z. B. die Strafraumszene mit Bartusiak und Wambach, bei der die deutsche Abwehrspielerin Glück hat, dass es keinen Elfmeter gibt. Es gibt jetzt viele Fouls, viele Spielunterbrechungen und viele Fehlpässe. Besonders die optimistischen Bälle in die Spitze, wohl in der Annahme Birgit Prinz hätte mal eben ihre Sprintfähigkeit verdoppelt erzählen von einer Hilflosigkeit des deutschen Angriffspiels. Noch dazu fehlt es an Ordnung und Struktur hinter den Spitzen.

9 Minuten vor Schluss rückt Bresonik endlich auf ihre richtige Position, ins Mittelfeld. Aber ob das so spät noch für die nötigen Akzente reicht...

Die Schlussphase: ein Trauerspiel...

Ich leg mich nieder! Zwei Minuten vor Schluss noch der Wechsel Prinz – Müller; als würde man, die Führung im Rücken, noch Zeit schinden wollen. Das ist ja wohl ein Witz! Die Bundestrainerin agiert für mich heute extrem unverständlich.

Jetzt ist Schluss. Deutschland verliert – durch einen kurzen Moment einer Reihe von Fehlern. Es war ein streckenweise hochklassiges Spiel. Doch jetzt am Ende muss man kurz mal Einhalt gebieten, dem Herumgesülze über die Stimmung, die Kulisse etc.. Unerfreulichkeiten, wie die Chancenverwertung, die ja nicht jetzt plötzlich auf einmal in diesem Spiel ein Problem der Deutschen war, oder auch die Spieleingriffe von Silvia Neid sollten nicht mit einem solchen Übermaß an Lobbyismus und Pathos übergangen werden – Verrat am gesunden Fußballverstand. Dieses Spiel war Werbung für den Frauenfußball. Am Ende leider schlechte. Auch wenn es (bei all der Euphorie) keiner zugeben wollte.

Die Unmittelbarkeit dieser Coaching Zone dient auf der einen Seite dem Versuch einer direkten Verfolgung der (heute so beliebten) „Stimmung“skurve eines Spiels, bei dem es auf und ab ging. Auf der anderen Seite gibt es diesmal weniger den Anspruch einer distanzierten Analyse. Also vielleicht, mit Hans-Ulrich Gumbrecht gesprochen, ein Versuch den „Moment der fokussierten Intensität“ in Schrift übertragen, auch in ehrlicher Dedikation an die beiden besten Mannschaften der Frauenfußballgeschichte.

Dienstag, 27. Oktober 2009

denk.anstoß: Warum machen Sie das?

Im Zeit Leben Magazin gibt es auf der letzten Seite im Laufe der letzten Jahren immer wieder schwierige Formate. Die zum Husten anregende wöchentliche Zigarette von Giovanni Di Lorenzo mit Helmut Schmidt wurde im März 2009 von Roger Willemsen abgelöst. Der ehemalige Museumswächter fragt jetzt jede Woche eine Person: “Warum machen Sie das?” --- Könnte man ihn glatt jede Woche zurückfragen. Aber diese Woche befragte er Lira Bajramaj und das regt ausnahmsweise mal zum Lesen an.

Der Erkenntnisgewinn ist wie gewohnt mittelmäßig. Ob der Knappheit muss Willemsen sich auf einzelne Aspekte beschränken – im Zentrum dieses Interviews verspricht er diesmal die „Tusse“: “Frau Bajramaj, Sie sind Fußballerin und nennen sich `Tusse´ - warum machen Sie das?” Tja. Es muss ja nicht immer eine Antwort auf die Frage sein, aber sollte man als Interviewender seine eigenen Fragen nicht so ernst nehmen, dass man sich zumindest während des Interviews damit beschäftigt, was man mit ihnen mal erfahren wollte? “Und wann wurde aus der Straßenfußballerin die Tusse - wie Sie sich selbst nennen?” fragt Willemsen irgendwann auf halber Strecke, nur um über Bajramajs Wunsch nach einem Kosmetikstudio, dem Torwandschießen in Stückelschuhen schnell zur Frage nach dem Kopftuch vorzustoßen. Auf der Strecke geblieben, die Tusse.
Irgendwie seltsam, die Begriffe „Fußballerin“ und „Tusse“ nebeneinander, sogar groß und fett in einer Überschrift. Fußballerin und Tusse. Keine gewohnte Verbindung. Vor einigen Jahren noch standen vielmehr die fußballspielenden “männlichen Frauen” im Vordergrund, die “aussehen wie Jungs” und mit Sicherheit “Lesben” wenn nicht sogar “Kampflesben mit Lederjacken” waren - die Stylingfähigkeiten jedenfalls noch weit entfernt. So scheint es. Doch warum eigentlich interessiert uns das?

Ein kleiner Denkanstoß von Pierre Bourdieu:
„Die männliche Herrschaft konstituiert die Frauen als symbolische Objekte, deren Sein ein Wahrgenommenwerden ist. Das hat zur Folge, dass die Frauen in einen andauerenden Zustand körperlicher Verunsicherung oder, besser, symbolischer Abhängigkeit versetzt werden: Sie existieren zuallererst für und durch die Blicke der anderen, d.h. als liebenswürdige, attraktive, verfügbare Objekte. (...) Durch das intensive Betreiben einer Sportart kommt es bei den Frauen zu einer tiefgreifenden Veränderung der subjektiven und objektiven Erfahrung des Körpers: Er hört auf, bloß für andere oder, was auf dasselbe hinausläuft, für den Spiegel zu existieren (...). Er verwandelt sich aus einem Körper für andere in einen Körper für sich, aus einem passiven, der Aktion der anderen ausgesetzten Körper in einen aktiven, selbsttätigen Körper. In den Augen der Männer freilich erscheinen diejenigen, die das stillschweigende Disponibilitätsverhältnis aufkündigen und sich so gleichsam ihr Körperbild und damit ihren Körper wieder aneignen, als nicht weiblich, ja, als lesbisch – wobei die Behauptung der intellektuellen Unabhängigkeit, die sich ja auch körperlich äußert, ganz ähnliche Effekte zeitigt.“ (Die männliche Herrschaft, Seite 119f.)

Wie populär ist der Frauenfußball in Deutschland, seit Lira und Anja ihre schwarz-rot-goldenen Fingernägel in die BILD Zeitung hielten! Funktioniert die Emanzipation des Frauenfußballs nur über die “sicheren” Labels der Weiblichkeit (Kosmetik, Männer und Schokolade)? Ist es sozusagen eine “Errungenschaft” des Frauenfußball, dass eine Nationalspielerin die Eigenschaften einer “Tusse” erfüllen kann? Bedeutet mehr Anerkennung gleichzeitig Rücküberführung in den sicheren Hafen der weiblichen heterosexuellen Körpernorm, genauer gesagt: die Fähigkeit als Model durchzugehen?

Und die Spielfeldschnitte fragt:
„Herr Willemsen, wenn sie Lira Bajramaj danach fragen möchten, warum sie sich eine Tusse nennt und sie dann nicht fragen, machen sie sie dann nicht selbst zu einer? Warum machen Sie das?“